Keine Entwertung der Berufsschullehrerausbildung 

 

Lehrermangel: BLVN und VLWN sprechen sich gegen pädagogisch ungeschulte Quereinsteiger aus der Wirtschaft aus und fordern bessere Rahmenbedingungen

 

Der Lehrermangel in Deutschland ist über alle Schulformen hinweg eklatant. Vor allem an berufsbildenden Schulen, die schon seit Jahren mit einer chronisch schlechten Unterrichtsversorgung zu kämpfen haben, fehlt es an Fachlehrern. An vielen niedersächsischen BBSen ist die Unterrichtsversorgung vor allem in Fachrichtungen wie Maschinenbau, Elektrotechnik, Informationstechnologie, Bautechnik oder Wissenschaft und Verwaltung auf unter 90 Prozent gefallen. Dadurch kommt es immer häufiger zu  Unterrichtseinschränkungen. „Es fehlt an Nachwuchslehrkräften. Die Gründe dafür liegen in der zunehmenden Entwertung des Berufsschullehrerausbildung auch in Folge der Lückenfüllerei durch Quereinsteiger aus der Wirtschaft, denen die pädagogische Qualifikation fehlt“, sagt Joachim Maiß, Vorsitzender des Landesverbandes der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen (VLWN).

 

Aktuell brauchen die beruflichen Schulen diese Quereinsteiger, um den nötigsten Lehrkräftebedarf zu decken. „Aber es ist das völlig falsche Signal“, sagt Maiß und fragt Richtung Politik:“ Warum soll ein Student oder eine Studentin nach absolviertem Bachelor- und Masterstudium und einer fachlichen Berufsausbildung noch ein eineinhalbjähriges Referendariat anhängen, wenn auch das normale Fachstudium und damit eine deutlich kürzere Ausbildungszeit den Weg in den Berufsschullehreralltag ebnen kann?“

 

Die beiden niedersächsischen Berufsschulverbände VLWN und BLVN fordern daher eine Aufwertung der Berufsschullehrerausbildung. „Der Lehrerberuf muss wieder attraktiv werden und darüber eine hohe Wertschätzung  auch und gerade durch den Dienstherren genießen“, sagt Maiß. Um die Qualitätsstandards der deutschen Berufsbildung, die weltweit hohes Renommee genießen, auch künftig sicherzustellen, appellieren die Berufsschulverbände an das Niedersächsische Kultusministerium, die Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen der Lehrkräfte an berufsbildenden Schulen deutlich zu verbessern.

 

Der Forderungskatalog umfasst eine Ausweitung der Fort- und Weiterbildung, die Entlastung der Lehrkräfte bei zusätzlichen Aufgaben wie Digitalisierung, Integration oder Inklusion, eine Verbesserung der Besoldung und der Aufstiegsmöglichkeiten sowie eine Imagekampagne des Ministeriums, um die gesellschaftliche Reputation der beruflichen Bildung aufzuwerten. Daneben muss aus Sicht von VLWN und BLVN der Bewertungsschlüssel für Seiten- und Quereinsteiger geändert werden. „Es kann nicht sein, dass Fachkräfte aus der Wirtschaft als Notnagel quasi während des Schulalltags eine Schmalspur-Schnell-Pädagogikschulung durchlaufen und dann unterrichten. Nur eine umfassend qualifizierte Lehrkraft kann eine erfolgreiche Lehrkraft sein“, sagt Maiß.

 

Der Lehrermangel verschärft sich seit Jahren, weil der Nachwuchs mangels Attraktivität des Berufs ausbleibt. „Das lässt sich auch im ,Bildungsbericht für Deutschland 2018’, der von der Autorengruppe Bildungsberichterstattung zusammen mit der Kultusministerkonferenz und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung im Juni vorgelegt wurde, nachlesen“, sagt Maiß.

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